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Veröffentlicht am: August 16, 2019

Ätherische Öle in der Zahnmedizin (mit 6 Rezepten zum Selber mischen)

von Thomas Hamacher

Ätherische Öle sind ein vielseitiges Einsatzmittel in der Zahnmedizin. Viele benutzen sie täglich, ohne es zu merken - denken Sie zum Beispiel an den Geschmack Ihrer Zahnpasta. Nicht ohne Grund hat Zahnpasta meistens einen frischen Minzgeschmack. In diesem Artikel erfahren Sie mehr darüber, wie Ätherische Öle in unserer Praxis eingesetzt werden.

Wie ätherische Öle gegen Zahnarztangst helfen können

Zahnarztangst ist ein ernstes Thema, mit dem Zahnärzte sich beschäftigen müssen. Viele Menschen haben schlechte Erfahrungen beim Zahnarzt gemacht, sei es ein dramatisches Erlebnis in der Kindheit oder Komplikationen bei einer kürzlich erfolgten Behandlung. Bei einigen Patienten lösen solche Erfahrungen krankhafte, negative Gefühle hervor, die eine normale Behandlung verhindern können.

Doch was haben ätherische Öle mit Zahnarztangst zu tun? Die Antwort liegt in der Anatomie unseres Geruchssinns. Der Geruchssinn ist eng mit dem sogenannten limbischen System im Gehirn verbunden. Diese Region, auch Mandelkern genannt, ist mitverantwortlich für die Verarbeitung von Emotionen.

Zahnarztpraxen haben meist einen charakteristischen Geruch. Durch die Verwendung von Desinfektionsmitteln nimmt der Patient beim Eintritt unterbewusst den typisch sanitären Geruch wahr. Aufgrund der engen Verbundenheit von Gerüchen und Emotionen kann dies die negativen Erfahrungen und Emotionen des Patienten hervorrufen und dazu führen, dass er dermaßen verkrampft, sodaß eine Behandlung kaum noch möglich wäre.

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Dies lässt sich durch den Einsatz ätherischer Öle verhindern. Nimmt ein phobischer Patient beispielsweise einen natürlichen Orangenduft beim Eintritt in die Praxis wahr, kann dies Wunder für die Behandlung bewirken. Deswegen verwenden wir in unserer Praxis stets ätherische Öle für die Aromatherapie, um ein freundliches und entspanntes Umfeld zu schaffen. Hierbei verwenden wir besonders folgende Öle für die Raumbeduftung:

  • Orange (Citrus sinensis): wirkt entspannend und stimmungsaufhellend
  • Lavendel (Lavendula angustifolia): hilfreich bei Hautproblemen, entspannend

Diese Öle lassen sich nicht nur für Raumduft einsetzen, sondern auch Patienten selbst können von den natürlichen Gerüchen profitieren, indem sie sich das ätherische Öl auf die Handflächen verreiben und ein Körbchen mit den Händen formen und vor das Gesicht halten. Anschließend kann der Patient daran riechen, um die entspannenden Effekte des Geruchs zu erhalten.

Massage der Triggerpunkte

Die sogenannten "Triggerpunkte" signalisieren eine chronische Überlastung der Muskulatur. Das Berühren von Triggerpunkten ist schmerzhaft und kann auch an anderen Körperstellen Schmerzen auslösen. Das Vorliegen dieser Triggerpunkte kann auf eine craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) des Kiefergelenks hinweisen.

Begleitend zur eigentlichen Behandlung kann das Wohlbefinden des Patienten durch Entlastung der Triggerpunkte verbessert werden.

Zum einen kann der Patient mithilfe einer bestimmten Massagetechnik die Triggerpunkte selbst entlasten. Die Vorgehensweise ist je nach Triggerpunkt verschieden und sollte mit dem Zahnarzt abgeklärt werden.

Masseter-Muskel entspannen

Der Massetermuskel entspringt am Jochbogen und endet am Winkel des Unterkiefers. Er ist für das Zerkleinern von Speisen zuständig und ermöglicht dafür das Zusammenbeißen, sowie Seitwärts- und Längsbewegungen. Geistige Spannungen, Stress oder Verzweiflung können unterbewusst zu einer Überlastung dieses Muskels führen, weshalb Verspannungen und Beschwerden häufig auftreten.

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Quelle: getbodysmart.com

Der Massetermuskel kann abgetastet werden, indem der Patient fest zubeißt. Mit den Fingerspitzen kann der Kiefer dann abgetastet und auf Triggerpunkte untersucht werden.

  • Triggerpunkte in der oberen Hälfte des Muskels führen oft zu Schmerzen im Oberkiefer, welche oft fälschlich als Kieferhöhlenentzündung oder Zahnschmerzen der oberen Backenzähne identifiziert werden.
  • Triggerpunkte im mittleren Bereich des Muskelsführen oft zu Schmerzen im Unterkiefer oder Zahnschmerzen in den unteren Backenzähnen.
  • Triggerpunkte in der unteren Hälfte führen oft zu Kopfschmerzen.
  • Tief sitzende Triggerpunkte führen oft zu Schmerzen im Kiefergelenk. Diese können bis zu den Ohren reichen und sogar einen Tinnitus auslösen.

Wenn der Patient zähe, schmerzhafte, härtere Bereiche entdeckt, kann er diese unter Verwendung der unten genannten Ölmischung massieren. Dafür wird mit zwei Fingern leicht Druck auf den schmerzenden Bereich ausgeübt. Anschließend wird dieser leicht mit rotierenden Bewegungen massiert. Um den Muskel weiter zu entspannen, kann der Patient während der Massage zusätzlich den Kiefer bewegen.

Auflockerung

  • 7 Tropfen Kiefernöl
  • 3 Tropfen Wintergrünöl
  • 3 Tropfen Immortellenöl
  • 2 Tropfen Pfefferminzöl
  • 2 Tropfen Nelkenöl
  • in 30 ml Kokosölauszug (fraktioniert)

Ätherische Öle für gesündere Zähne

Nicht nur der Duft der verschiedenen ätherischen Öle kann vorteilhaft für die zahnärztliche Behandlung sein, sondern sie können auch oral eingesetzt werden, um die Gesundheit von Zähnen und Zahnfleisch zu fördern.

Es gibt verschiedene Produkte zur Mundpflege, welche ätherische Öle enthalten. Besonders hilfreich sind Produkte, die die ätherischen Öle von Eukalyptus, grüner Minze, Nelke, Rosmarin, Vetiver, oder Zitrone enthalten. In Mundspülungen sind diese zum Beispiel oft für das saubere, hygienische Gefühl verantwortlich.

Weiterhin unterstützen die Öle unseren Säure-Base-Haushalt. Mithilfe von pH-Teststreifen aus der Apotheke können Patienten selbst den pH-Wert von Speichel und Urin feststellen. Beide sollten einen basischen pH-Wert aufweisen. Hierbei ist zu beachten, dass der pH-Wert zu verschiedenen Zeiten verschiedene Werte hat. Deshalb sollte dieser im Tagesverlauf betrachtet werden.

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Selbst wenn der Urin basisch ist, könnte der Speichel im Mund dennoch sauer sein. Um ein basisches Milieu wiederherzustellen, empfiehlt sich die Spülung mit einem Produkt, welches eines der oben genannten Öle enthält.

Eine weitere Methode aus der ayurvedischen Heilkunst ist das Ölziehen. hierbei wird morgens direkt nach dem Aufstehen der Mund für 5 Minuten mit 1 TL Kokosölauszug gespült. Zusätzlich können ein paar Tropfen Grapefruitöl hinzugefügt werden. Das Ölziehen entgiftet den Mundraum und stärkt das Zahnfleisch.

Auch in der Zahnarztpraxis können gezielt ätherische Öle angewendet werden. Bei einer professionellen Zahnreinigung kann die Polierpaste mit Muskatellersalbeiöl vermischt werden, um ein basisches Milieu der Mundhöhle zu fördern. Bürsten für die Zahnzwischenraumreinigung können in aufemulgierte Ölmischungen (z.B. mit Lavendelöl) getaucht werden, um auch tiefe Zahnfleischtaschen reinigen zu können. Hierbei bieten sich als geeignete natürliche Emulgatoren Sahne, fette Milch, Kondensmilch, Meersalz oder Honig an.

Parodontitis und andere Erkankungen

Eine Parodontitis ist eine bakterielle Entzündung des Zahnhalteapparates, welcher den Zahn im Kieferknochen fixiert. Eine Parodontitis liegt dann vor, wenn neben den Zahnfleisch auch der tiefer liegende Faserapparat von Bakterien befallen ist. Die Parodontitis ist als "Volkskrankheit" sehr weit verbreitet, nicht zuletzt weil sie oft ohne jegliche Beschwerden unbemerkt bleibt. Deshalb ist eine regelmäßige Untersuchung beim Zahnarzt so wichtig.

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Studien haben gezeigt, dass Diabetiker bis zu dreimal häufiger eine Parodontitis entwickeln als gesunde Menschen. Gleichzeitig erkranken Menschen, die an einer fortschreitenden Parodontitis leiden, häufiger an Diabetes. Der Grund für diese Wechselwirkung wurde noch nicht vollständig identifiziert. Demzufolge ist eine präventive Behandlung von Diabetes-Patienten für die Vorbeugung einer Parodontitis in jedem Fall vorteilhaft.

Hierfür bieten sich einige ätherische Öle an. Besonders effektiv ist ätherisches Zimtöl. Ein Tropfen Zimtöl zusammen mit fraktioniertem Kokosöl als Mundspülung eignet sich hervorragend für eine gründliche Reinigung des Mundraums. Weiterhin fördert das Zimtöl die Funktion der Bauchspeicheldrüse.

Ein ähnlicher Zusammenhang besteht zwischen Parodontitis und Rheuma. So entwickeln laut einer Studie Menschen, die unter einer schweren Parodontitis leiden, mit einer 2,5-fachen Wahrscheinlichkeit später Rheuma. Ebenfalls haben Patienten mit rheumatoider Arthritis ein erhöhtes Risiko, eine Parodontitis zu entwickeln.

Somit ist es empfehlenswert für Rheumatiker, besonders auf die Mundhygiene zu achten und gegebenenfalls eine professionelle Zahnreinigung beim Zahnarzt zu vereinbaren. Dies kann den Verlauf der Krankheit positiv beeinflussen.

Darüber hinaus kann eine Parodontitis zur Verstopfung von Herzgefäßen beitragen. In Studien mit Infarktpatienten ließen sich Parodontitis-Bakterien in den Ablagerungen verstopfter Herzgefäße nachweisen. Auch in diesem Fall können vorbeugend ätherische Öle angewandt werden. Hierfür sollte das Keimmilieu im Mund getestet werden, um gezielt entsprechende Öle einsetzen zu können.

Behandlung von Parodontitis mit ätherischen Ölen

Meist verschreibt der Zahnarzt zur Behandlung ein hochdosiertes Antibiotikum. Alternativ können jedoch auch ätherische Öle zur Behandlung verwendet werden. Sie unterstützen das basische Milieu im Mundraum und können bestimmte Bakterien bekämpfen.

Dabei ist es wichtig, dass gezielt einzelne ätherische Öle getestet werden. Dafür werden von bis zu 6 Zahnfleischtaschen Abstriche entnommen, welche im Labor mit verschiedenen Ölen zusammengebracht werden. Anschließend wird die Wirkung der Öle auf die Bakterien untersucht , sodaß das effektivste Öl für die therapeutische Behandlung gefunden werden kann.

Mit dieser resultierenden Ölmischung kann der Patient dann regelmäßig spülen bzw. Zahnzwischenräume bürsten. Dies hat den Vorteil, dass nicht nur gezielt die Bakterien bekämpft werden, sondern auch die begleitende Entzündung wird bearbeitet. Weiterhin ist die Ölmischung im Vergleich mit Antibiotika längerfristig anwendbar, jedoch sollten auch hin und wieder Therapiepausen eingehalten werden. Denn mit der längerfristigen Anwendung eines bestimmten ätherischen Öls geht ein Gewöhnungseffekt einher, welcher die Effektivität der Anwendung verringert.

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Vor allem Salbeiöl, jedoch auch Copaiba, Teebaum, Thymian, Lorbeer, Lemongras, Rosmarin und Zitrone sind wirksame ätherische Öle für die Behandlung von Parodontose. Folgende Mischungen haben sich in der Praxis bewährt:

Thymianmischung

  • 5 Tropfen Salbeiöl
  • 2 Tropfen Copaibaöl
  • 10 Tropfen Lemongrasöl
  • 10 Tropfen Thymianöl
  • in 30 ml Kokosölauszug

Mischung gegen Aphthen

  • 2 Trpf. Strohblume
  • 2 Trpf. Teebaum
  • 2 Trpf. Muskatellersalbei
  • 2 Trpf. Nelke
  • 2 Trpf. Schwarzer Pfeffer
  • 2 Trpf. Pfefferminz
  • 1 Trpf. Oregano
  • 10 Trpf. Kokosölauszug

Enspannung der Kiefergelenke

  • 8 Tropfen Copaibaöl
  • 2 Tropfen Zimtöl
  • 2 Topfen Eukalyptusöl
  • 1 Tropfen Weihrauchöl
  • 2 Tropfen Zitronenöl
  • in 30 ml Kokosölauszug

Nach dem Zähneputzen werden ca. 10 Tropfen der Mischung mit 40 ml lauwarmen Wasser vermischt. Die Tinktur wird für 1-2 Minuten durch die Zähne gezogen und ausgespuckt. Beim Ausspucken sollte diese eine weißliche Verfärbung aufweisen.

Um Zahnzwischenräume mit dem ätherischen Öl zu behandeln, werden Interdentalbürstchen in das Öl getaucht, bevor diese angewandt werden.

Ätherische Öle gegen Zahnschmerzen

Zuletzt gibt es eine effektive Mischung zur Erleichterung von schweren, pochenden Zahnschmerzen. Diese wirkt schmerzlindernd und kann die Wartezeit beim Zahnarzt erheblich angenehmer gestalten.

Isolierter Zahnschmerz

  • 10 Tropfen Nelkenöl
  • 1 Tropfen Thymianöl
  • 1 Tropfen Teebaumöl
  • in 30 ml Kokosölauszug

Die Mischung kann mit einem Wattestäbchen vorsichtig auf den betroffenen Zahn und Zahnfleischumgebung aufgetragen werden. Alternativ kann auch ein Wattepad in der Mischung getränkt werden und anschließend in die Wangentasche der betroffenen Region eingelegt werden.

Thomas Hamacher

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