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Veröffentlicht am: Mai 23, 2019

Auslandseinsatz in Puma, Tansania

Dr. Axel Peters
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Am 22. Februar 2019 bin ich zu einem Auslandseinsatz für die Organisation Interplast, Sektion Bad Honnef, nach Puma, Tansania aufgebrochen. Zusammen mit einem chirurgisch tätigen Orthopäden sind wir nach langem Flug, mit Aufenthalt in Addis Abeba, am Kilimandscharo Airport gelandet. Die Einreiseformalitäten waren unendlich lang. Mehr als 3 Stunden haben wir gewartet, bis alle Formalitäten erledigt waren. Dem Zoll fiel natürlich das gesamte zahnärztliche Material, welches ich bei mir hatte, auf. Besonders waren Instrumente zur Wurzelkanalaufbereitung und Kanülen für die Lokalanästhesie von Interesse. Letztendlich konnte ich glaubhaft versichern, dass das so in Ordnung ist. Übernachtet haben wir in einer kleinen Pension in Boma N`Gombe. Sehr gewöhnungsbedürftig.

Am nächsten Morgen, um 6 Uhr startete der Bus in Richtung Puma.

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Was am Busbahnhof abging war für europäische Augen und Ohren sehr gewöhnungsbedürftig. Wie aus dem Nichts tauchten in der Dunkelheit mehrere Busse mit überhöhter Geschwindigkeit und lautem Hupen auf. Unserer war noch nicht dabei. Alles ging mit lautem Geschrei und viel Hektik vonstatten. Innerhalb weniger Minuten war der Spuk vorbei die Hälfte der Menschen und die Busse waren weg. Als unser Bus kam, war es im Grunde genommen genauso.

Nach etwas mehr als acht Stunden Fahrt kamen wir dann in Puma an. Nach etwa 2 km Fußmarsch erreichten wir das Missionskrankenhaus „Queen of the holy cross“, welches von den „Mothers of the holy cross“ und „Missionaries of holy cross“ betrieben wird. Einen Zahnarzt gibt es hier nur zweimal im Jahr für etwa zwei Wochen, organisiert von Interplast, einem gemeinnützigen Verein für plastische Chirurgie in Ländern der Dritten Welt. Die Mitglieder führen unentgeldlich Operationen vieler Art in Entwicklungsländern durch.

Am nächsten Morgen beginne ich mit der Arbeit. Assistieren und übersetzen wird Bruder Albertus. In den abgelegenen Gebieten von Tansania wird nur wenig Englisch gesprochen. Ein Dolmetscher ist also unerlässlich. Behandlungsstuhl etc. sind noch nicht aktiviert. Leider muss die Behandlungseinheit erst einmal repariert werden. Unter anderem musste noch ein wasserführender, kleiner Kunststoffschlauch auf ein Ventil gesetzt werden. Das gestaltete sich sehr schwierig, da der Schlauch durch sein fortgeschrittenes Alter schon ziemlich starr war. Meine Idee war, den Schlauch etwas zu erhitzen und fragte Bruder Albertus, ob er ein Feuerzeug habe oder Ähnliches. Es schien, als hätte er mich nicht richtig verstanden, entschied sich aber für Ähnliches. Etwas später ging er zur Tür und gab einen Patienten eine Nierenschale und einige Anweisungen. Der Patient kam zurück mit der, mit etwas undefinierbaren gefüllten Nierenschale. Als ich mir das dann näher anschaute, sah ich, dass es sich um glühende Holzkohle handelte. Damit wollte er offensichtlich den Schlauch Erwärmen. Unfassbar.

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Nach drei Stunden Reparaturarbeiten können wir langsam mit der Behandlung von Patienten beginnen. Diese sitzen schon seit 9.00 Uhr vor der offenen Türe und schauen uns bei den Reparaturen zu. Da kommt keiner, der fragt, wie lange es denn wohl noch dauere. In der Regel haben alle Leute viel Zeit. Beim ersten Patienten soll gleich ein Zahn gezogen werden. Bis die Anästhesie wirkt, will ich den Patienten nach draußen schicken und schon mal den nächsten ansehen. Bruder Albertus meint, 1-2 Minuten reichen völlig. Klappt tatsächlich, der Patient regt sich bei der Extraktion nicht. Bei uns wartet man in der Regel mindestens 15 Minuten.

Grundsätzlich ist das Behandlungszimmer ausreichend eingerichtet. Die Geräte sind allerdings sehr alt. Schätzungsweise 20 bis 30 Jahre. Viele Materialien sind schon lange abgelaufen. Fließendes Wasser gibt es nicht immer. Sehr ärgerlich, wenn man sich nach der Behandlung die Hände waschen will. Zum Glück habe ich auch ein Händedesinfektionsmittel mitgebracht. Ein Lieblingsspruch meines Assistenten war: „Today no water. Perhaps tommorow.“. Die Stromversorgung klappte ganz gut, da vor kurzem eine Solaranlage von der Organisation „Elektrikerohne Grenzen“ installiert wurde.

Die Röntgenanlage befindet sich im Behandlungszimmer. Einen separaten Raum mit Bleiabschirmung wie bei uns, gibt es nicht. Auch das Auslösen der Röntgenröhre kann ich nur selbst im Raum vornehmen. Das heißt, bei jedem Röntgen werde ich mit der vollen Strahlung belastet. Undenkbar in Deutschland. In den nächsten zwei Wochen habe ich auf das Röntgen verzichtet.

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Auch die Aufbereitung der benutzen Instrumente findet, nicht wie bei uns, in einem Sterilisationsraum statt, sondern direkt im Behandlungszimmer. Die Mittel zum Ansetzen eines Desinfektionsbades habe ich aus Deutschland mitgebracht. Mit eine alten Spülbürste werden die Instrumente danach gereinigt. Es gibt aber einen Autoklaven, mit dem alles sterilisiert werden kann. Das Gerät dürfte aus den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts stammen, scheint aber seinen Dienst zu tun. Natürlich nicht nach unseren Hygienevorschriften.

Die Behandlungen sind vorwiegend Extraktionen. Für Erhaltungsversuche ist hier kein Platz, da der nächste Zahnarzt oder die nächste Zahnärztin voraussichtlich erst in sechs Monaten hier sein wird. An Zahnersatz, also Kronen, Brücken oder herausnehmbare Prothesen ist nicht zu denken, da es, auch im weiteren Umkreis, kein zahntechnisches Labor gibt. Es würden auch die finanziellen Mittel fehlen.

Insgesamt ist die Zahngesundheit eher schlecht. Was, abgesehen von schlechter Aufklärung über Mundhygiene, das Kauen von Zuckerrohr, auch auf die Mangelernährung und der schlechten Wasserqualität zurückzuführen ist.

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Nach zwei Wochen leben und arbeiten dort, kommt man zu der Erkenntnis, dass wir Menschen in Deutschland ein riesiges Glück haben, hier geboren worden zu sein. Fachlich war es eine wertvolle Erfahrung zu sehen, auf welchem Niveau Zahnmedizin auch zu betreiben ist, wenn es fast ausschließlich darum geht, Schmerzen zu lindern. Es wäre schön, wenn sich viele Kollegen darauf einlassen würden, ihre Zeit zu opfern, um den Menschen zu helfen, die nicht das Glück hatten, in unserer westlichen Zivilisation geboren worden zu sein.

Falls Sie die Arbeit von Interplast durch eine Spende unterstützen wollen, die Sektion Bad Honnef würde sich freuen.

Dr. Axel Peters

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